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Das Logo des Deichdorfers. Ein stilisierter Storch auf dem Fahrrad neben dem Text Deichdorf Bislich.
Storchen Cam
02. Oktober 2026

Bislich ist jetzt in der NATO.

Eigentlich wollten wir nur wieder Soldaten beim Bislicher Schützenfest dabeihaben. Daraus wurden internationale Gäste, persönliche Kontakte, ein NATO-Forschungstreffen im Deichdorfmuseum und schließlich eine offizielle Patenschaft zwischen der Stadt Wesel und dem Deutschen Anteil des Joint Air Power Competence Centre (JAPCC). Am 1. Oktober wurde sie in Bislich feierlich besiegelt – und für die Schützengemeinschaft beginnt damit eigentlich erst die Arbeit.

Manchmal beginnen größere Geschichten mit ziemlich kleinen Fragen. In diesem Fall fiel die Frage beim Bislicher Schützenfest 2024. Florian Kühnen sprach seinen Schützenkameraden André Haider darauf an, ob man nicht wieder Soldaten zum Schützenfest einladen könne. Früher hatte es solche Verbindungen immer wieder gegeben, und die Idee war zunächst tatsächlich nicht größer als das: Soldatinnen und Soldaten sollten wieder einmal gemeinsam mit den Bislichern feiern.

Die Frage landete dabei zufällig bei einem ziemlich passenden Ansprechpartner. André Haider ist bei der Schützengemeinschaft Bislich schlicht und einfach Schütze, beruflich aber Oberstleutnant beim NATO Joint Air Power Competence Centre in Kalkar. Er nahm die Idee mit nach Kalkar, aus dem Gedanken wurde eine Einladung – und schließlich kam die Zusage: Zum Schützenfest 2025 würde eine internationale Delegation des JAPCC nach Bislich kommen.

Für Sebastian Kock, Geschäftsführer der Schützengemeinschaft, war damit offenbar bereits genug erreicht, um die weltpolitische Lage neu zu bewerten. Seine etwas übereifrige Zusammenfassung lautete: „Bislich ist jetzt in der NATO.“

Nun ja. Zu diesem Zeitpunkt waren eigentlich nur ein paar internationale Soldaten zum Schützenfest eingeladen. Von einer Patenschaft war noch keine Rede. Aber wie sich später zeigen sollte, war der Spruch vielleicht weniger übertrieben als einfach nur etwas zu früh dran.

Aus einem Besuch wurde ein Wiedersehen

Beim Schützenfest 2025 wurde es dann tatsächlich international. Und wer nach Bislich kommt, um Schützenfest zu feiern, wird natürlich nicht nur zum Händeschütteln vorbeigeschickt. Vor dem eigentlichen Fest ging es gemeinsam zum Schießen in den Schießclub, anschließend marschierten die Gäste des JAPCC gemeinsam mit den Bislicher Schützen durch das Dorf und am Abend folgte mit dem Großen Zapfenstreich der feierliche Höhepunkt.

Entscheidender als das offizielle Programm war allerdings das, was dazwischen passierte. Man kam miteinander ins Gespräch, lernte sich kennen und stellte fest, dass zwischen einer internationalen NATO-Dienststelle und einem Dorf am Niederrhein vielleicht doch weniger Abstand liegt, als man zunächst vermuten könnte. Aus Uniformen und Dienstgraden wurden Menschen mit Namen und aus einem offiziellen Besuch entstanden persönliche Kontakte.

Damit war die Sache nach dem Schützenfest nicht beendet. Im Gegenteil: Aus den Begegnungen entwickelten sich weitere Gespräche und irgendwann auch die Überlegung, ob man dieser Verbindung nicht einen dauerhaften Rahmen geben könnte.

Beim Schützenfest 2026 war das JAPCC deshalb erneut zu Gast. Der Ablauf war inzwischen schon fast vertraut: gemeinsames Schießen, Marsch durchs Dorf und Großer Zapfenstreich. Der wichtigste Unterschied zum Vorjahr stand allerdings in keinem Programmheft: Die Gäste kamen nicht mehr als Fremde; man kannte sich schon. Und genau darin steckt eigentlich der Gedanke, der später auch die Patenschaft bestimmen sollte.

Aus einer Bislicher Idee wird eine offizielle Patenschaft

Die Idee einer dauerhaften Verbindung fand inzwischen auch bei der Stadt Wesel Unterstützung. Denn eine formelle Patenschaft mit einer Bundeswehrdienststelle wird nicht zwischen einem Verein und der Dienststelle geschlossen. Dafür brauchte es die Stadt.

Am 19. Mai 2026 beschloss der Rat der Stadt Wesel, eine Patenschaft mit dem Deutschen Anteil des JAPCC am Standort Kalkar einzugehen. Damit bekam eine Verbindung, die in Bislich bereits ganz praktisch gelebt wurde, einen offiziellen Rahmen. Ziel war dabei von Anfang an nicht nur der Austausch einer Urkunde. Die Patenschaft soll das gegenseitige Miteinander fördern, Bürgerinnen und Bürger mit den Angehörigen des JAPCC zusammenbringen und bestehende Beziehungen weiterentwickeln.

Wie gut das auch jenseits des Schützenfestes funktionieren kann, zeigte sich nur wenige Tage später. Vom 27. bis 29. Mai 2026 traf sich eine internationale Forschungsgruppe der NATO Science and Technology Organization im Deichdorfmuseum. Gastgeber war André Haider. Experten aus Belgien, Dänemark, Deutschland, den Niederlanden, der Türkei, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten arbeiteten drei Tage lang gemeinsam an modernen Methoden zur Modellierung und Simulation der Drohnenabwehr.

Bemerkenswert war dabei nicht nur die internationale Zusammensetzung, sondern auch der Tagungsort. Frühere Treffen der Forschungsgruppe hatten unter anderem in Paris, Amsterdam, Brüssel und Norfolk stattgefunden. Und diesmal eben: Bislich. Wir möchten Paris und Amsterdam wirklich nicht zu nahetreten – aber Rhein, Deich und Störche können sie nun einmal nicht in dieser Kombination bieten.

Die Wahl des Deichdorfmuseums erwies sich jedenfalls als gelungen. Die internationalen Gäste zeigten sich begeistert von der Ruhe, der Landschaft und der Gastfreundschaft, insbesondere auch von der durch Willi Kock organisierten Boßel Tour auf dem Rheindeich. Für drei Tage wurde Bislich zum Treffpunkt für internationale Verteidigungsforschung – und ganz nebenbei zeigte sich, dass die inzwischen gewachsene Verbindung zum JAPCC längst mehr war als ein gemeinsames Schützenfest im Jahr.

Im Deichdorfmuseum wurde es offiziell

Während die persönlichen Beziehungen also längst gewachsen waren, musste die Patenschaft noch ihren formellen Weg durchlaufen. Dabei war von Anfang an vorgesehen, dass die offizielle Patenschaft zwischen der Stadt Wesel und dem Deutschen Anteil des JAPCC geschlossen wird, ihre praktische Ausgestaltung aber dort bleibt, wo vieles begonnen hatte. Bereits im Antrag wurde festgehalten, dass die laufende inhaltliche, organisatorische und administrative Gestaltung gemeinsam durch das JAPCC und die Schützengemeinschaft Bislich übernommen werden soll.

Am Donnerstag, 1. Oktober 2026, war es schließlich so weit. Im Deichdorfmuseum kamen Vertreter der Stadt Wesel, des JAPCC und der Schützengemeinschaft sowie zahlreiche Gäste zusammen, um die Patenschaft feierlich zu besiegeln. Mit ihren Unterschriften unter die Patenschaftsurkunde machten Bürgermeister Rainer Benien, Oberst i.G. Stefan Matzdorf und Andreas Michelbrink aus einer über zwei Jahre gewachsenen Verbindung eine offizielle Partnerschaft.

Für Bislich ist dabei vor allem eine Passage der Patenschaftsurkunde von Bedeutung:

„Der Schützengemeinschaft Bislich e. V. ist die besondere Aufgabe anvertraut, diese Patenschaft für die Stadt Wesel zu gestalten und zu pflegen. Sie soll Begegnungen ermöglichen, Verbindungen schaffen und dazu beitragen, dass aus dem feierlichen Versprechen dieses Tages eine lebendige und beständige Gemeinschaft erwächst.“

Das ist ziemlich feierlich formuliert, beschreibt aber sehr genau, worum es jetzt gehen soll. Denn eine Patenschaft lebt nicht davon, dass eine Urkunde unterschrieben wird und anschließend irgendwo an der Wand hängt. Sie lebt davon, dass Menschen sich begegnen, sich gegenseitig besuchen, gemeinsam etwas unternehmen und aus offiziellen Kontakten persönliche Beziehungen werden.

Oder etwas weniger feierlich und etwas mehr Bislich:
Wesel steht auf der Urkunde. Bislich macht was draus.

Jetzt beginnt der eigentliche Teil

Die Voraussetzungen dafür sind gut. Das JAPCC ist international besetzt; Menschen aus verschiedenen Nationen arbeiten in Kalkar gemeinsam, einige von ihnen wohnen sogar in Wesel und engagieren sich hier. Bereits im Antrag zur Patenschaft wurde deshalb hervorgehoben, dass gemeinsame soziale, kulturelle und sportliche Aktivitäten nicht nur Einblicke in die Aufgaben des JAPCC ermöglichen, sondern auch Begegnungen mit Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern schaffen können.

Genau das soll nun weitergehen – und ausdrücklich nicht nur zwischen Soldaten und Schützen. Die Schützengemeinschaft hat die besondere Aufgabe übernommen, die Patenschaft für die Stadt Wesel zu gestalten und zu pflegen. Damit soll sie offen sein für neue Begegnungen, gemeinsame Veranstaltungen und Ideen, die Menschen aus Wesel und Bislich mit den internationalen Angehörigen des JAPCC zusammenbringen.

Dass daraus etwas wachsen kann, haben die vergangenen beiden Jahre bereits gezeigt. Und wenn irgendwann jemand fragt, wie diese ungewöhnliche Verbindung eigentlich entstanden ist, muss man gar nicht mit Ratsbeschlüssen, Anträgen und Genehmigungen anfangen.

Die Geschichte beginnt viel einfacher: Beim Schützenfest 2024 fragte Florian Kühnen seinen Schützenkameraden André Haider, ob man nicht wieder Soldaten einladen könne.

Ein Jahr später kamen die ersten internationalen Gäste. 2026 kamen sie wieder, kurz darauf tagten Experten aus sieben Nationen im Deichdorfmuseum und am 1. Oktober wurde genau dort die Patenschaft feierlich besiegelt.

Aus einer kleinen Frage beim Schützenfest ist damit in gut zwei Jahren ziemlich viel geworden. Bislich ist jetzt in der NATO.

Und jetzt liegt es an uns, etwas daraus zu machen.

Verfasser

Andre Haider
Heimat- und Bürgerverein Bislich e.V.

Schlagwörter

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