
Evangelische Kirche
Im Dorfzentrum des ehemaligen „Kirchdorfes“, direkt an der Dorfstraße und gegenüber der Dorflinde, ist die evangelische Kirche Bislichs zu finden. Auch sie ist ein besonderes Baudenkmal, selbst wenn sie allein schon von den Größenverhältnissen her im Schatten der katholischen Kirche am Deich steht.
Erbaut in der Zeit des Barock, wurden beim Bau Ziegelsteine einer Befestigung verwendet, die ehemals im Bislicher Ortsteil „Ronduit“ die diesseitige Rheinseite schützten. Die kleine Saalkirche mit äußeren Strebepfeilern und zur Straße hin leicht geschweifter Giebelgestaltung wurde zwischen 1729-1730 errichtet. Bemerkenswert ist die Gestaltung des Turmes. Über der Dachfläche befindet sich ein achteckiges Glockengeschoss mit einem verschieferten Zwiebeldach. Diese Bauform ist im Rheinland so nicht allgemein gebräuchlich gewesen.
Aber der Teilzerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde sie zwischen 1948 – 1950 in der ursprünglichen Form wieder aufgebaut. Im Innern ist die Kirche sehr schlicht gehalten.
Bislich hatte bis hinein in die Neuzeit nur wenige nichtkatholische Einwohner.
Seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bekannten sich – unter dem Einfluss des reformierten Wesel – aber auch einige Bislicher zum Calvinismus; sie wurden seit 1650 vom Diersfordter Prediger mitbetreut. Allerdings wollte man sich schon bald wieder selbständig machen und trennte sich 1709 von Diersfordt. Der Bau einer eigenen Kirche kam dann allerdings erst zwanzig Jahre später zustande. Er war für die im Vergleich kleine Zahl Bislicher Protestanten eine administrative wie auch finanzielle Herausforderung.
Heute bereichert dieses Baudenkmal aus dem beginnenden 18. Jahrhundert das Dorfbild und gehört zu Bislichs Geschichte dazu wie der benachbarte Saalbau der ehemaligen Gaststätte „Bislicher Hof“, der an der Straßenfassade noch die Gestaltung der Zeit der Jahrhundertwende um 1900 erkennen lässt.
Text: Dr. Martin Roelen für Stadt Wesel, ergänzt und erweitert 2025 durch Dr. Barbara Rinn-Kupka



