
Historische Orte
Postdeich
Einer der ältesten Deiche des Niederrheins direkt vor der Haustür: Kulturgeschichte und Naturreservat in einem! Seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert leitet der Postdeich den Rhein an Bislich vorbei. Vom Fährhaus (ein Bau aus der Mitte des 19. Jahrhunderts) ausgehend, ist er nur etwa 800m lang. Durch seine besondere Bauweise mit Ziegelsteinbefestigungen unter der Grasnarbe, zieht er eine besondere Pflanzen- und Vogelwelt an.
Der Deich ist daher Teil des großen Naturschutzgebietes „Droste Woy, Rheinaue zwischen Wesel und Bislich“. Das Gebiet zeichnet sich durch artenreiche Magerwiesen und -weiden aus und bietet Lebensraum für viele gefährdete Pflanzen- und Tierarten, darunter auch Störche.
Der gut ausgebaute Deich lädt zum Wandern, Radfahren und zur Naturbeobachtung ein. Er bietet einen schönen Blick über das Rheinvorland in Richtung Xanten und ist Teil des lokalen „Storchenrundwegs“. Und wer mehr erfahren will, ist im nahegelegenen Deichdorfmuseum Bislich an der richtigen Adresse. Hier wird Geschichte des Deichbaus, des Hochwasserschutzes und des dörflichen Lebens am Niederrhein thematisiert.

Fährverbindung
Die Fährverbindung zwischen Bislich und der Beek (Xanten) blickt auf eine jahrhundertelange Geschichte zurück. Der historische Fährverkehr diente ehemals als wichtiger Knotenpunkt für den Landweg zwischen Münster und Antwerpen. Allerdings „wanderten“ die Fähranlegestellen mit den Verläufen des Rheins, sodass diese mehrfach verlegt wurden. Die heutige Fähranlegestelle in Bislich wurde erstmalig kurz nach 1800 genutzt. Die Fährmann-Stele in Bislich (Am Damm 4-6) erinnert an diese Jahrhunderte alte Tradition.
Historischer Überblick:
- Erste Erwähnung: Der Fährbetrieb an dieser Stelle ist urkundlich bereits im Jahr 1319 belegt.
- Bedeutung: Die Fähre war ein wesentlicher Bestandteil der regionalen Infrastruktur und ein Knotenpunkt für bedeutende Fernwege, die den Rhein querten.
- Mitte des 18. Jahrhunderts verband sie am Rand des Gebietes der heutigen „Bislicher Insel“ als sogenannte Gierseilfähre mit ihrer eigenwilligen Technik beide Rheinseiten. Baumaterial wurde über den bei der Fähre gelegenen Hafen schon früh gehandelt und für viele Jahre weitaus später die sogenannte Fahrpost von Berlin nach Kleve hierüber ganz wortwörtlich zur jeweils anderen Seite „verschifft“.
- Wiederbelebung in der Neuzeit: Aus Kostengründen wurde der Betrieb 1971 eingestellt. Seit 1991 gibt es erneut eine Fährverbindung, die heute unter dem Namen „Keer Tröch II“ (Plattdeutsch für „Kehr zurück“) als Personenfähre betrieben wird. Diese moderne Verbindung, betrieben durch den Heimat- und Bürgerverein Bislich e.V., ist heute vor allem bei Radtouristen am Niederrhein sehr beliebt.


Pieta mit Hörstelle Liberation Route
An der ehemaligen Auffahrtrampe der schon 1946 abgebauten dritten Bislicher Bailey-Bridge wurde 1995 eine Gedenkstätte für die Opfer des Zweiten Weltkrieges eingerichtet.
Eine Hörstelle der Liberation Route Europe stellt die besondere Bedeutung von Bailey-Brücken für die Überwindung des Regimes der Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg dar. Ein originales Segment einer solchen „Bailey-Brücke“ wird vor dem Deichdorfmuseum Bislich (Dorfstraße 24, 46487 Wesel) vorgestellt. Im Museum gibt es eine kleine Ausstellung zu ihrem Erfinder, dem englischen Ingenieur Sir Donald Bailey



Das fränkische Gräberfeld
Das fränkische Gräberfeld in Bislich war ein historisch bedeutsamer Fundort. Angelegt und belegt zwischen dem 5. und 9. Jahrhundert n. Chr., gehört es zu den größten Gräberfeldern seiner Zeit am Niederrhein. Ausgegraben wurde es hauptsächlich in den Jahren 1972-1974. Die wissenschaftliche Auswertung erfolgt derzeit noch. Die Funde befinden sich weitestgehend im LVR-Landesmuseum in Bonn. Im Deichdorfmuseum Bislich wird eine Präsentation zu diesem besonderen Gräberfeld und anderen Grabfeldfunden in Bislich vorbereitet.

BODI
Er ist der „Held“ des fränkischen Gräberfeldes. BODI war ein fränkischer Krieger und Amtsträger aus der Zeit um 600 n. Chr., der in Bislich beigesetzt wurde. Bei Ausgrabungen in den 1970er Jahren wurde sein reich ausgestattetes Grab gefunden. Auf Höhe seiner Hand fand sich ein goldenen Siegelring mit seinem Namen. Zur Grabausstattung gehörte auch ein besonderer Lamellenpanzer. Alle Funde befinden sich heute im LVR-Landesmuseum Bonn. 2024 widmete dieses den Funden aus seinem Grab eine Sonderausstellung unter dem Titel: Das Leben des BODI.

Oberhof am Steinberg
(Auf dem Steinberg 1 – heute Privatbesitz)
Der Oberhof Steinberg war ein großer Grundbesitz des Stiftes St. Viktor in Xanten mit besonderer Hofverfassung und diente als administratives Zentrum für die Güter des Stifts in Bislich. Historisch lässt sich damit ein frühes landwirtschaftliches Zentrum in der Region um Bislich nachweisen, das bis ins Mittelalter zurückreicht.
Die besondere Bedeutung des Hofes wird daraus ersichtlich, dass die vom kirchlichen Gericht verhängten Sendpfennige auf dem Hof bezahlt und von dort aus an das Stift Xanten weitergeleitet wurden. Im Bereich des Oberhofes an der heutigen Kreuzung „Auf dem Steinberg“ stand auch der Gerichtsstein des weltlichen Gerichts.
Der letzte Richter in Bislich gab 1753 sein Amt auf und der Oberhof auf dem Steinberg wurde aufgelöst.
Auf einer Karte Bislich aus dem beginnenden 18. Jahrhundert wird am Steinberg zudem eine Steinstele dargestellt, die um 1925 als ein historischer Gerichtsstein angesehen wurde. Die Reste dieses Steines befinden sich heute im Deichdorfmuseum Bislich. Das heutige Gebäude Auf dem Steinberg 1 – stammt im Kern aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und befindet sich in Privatbesitz.

Vogelwelt Sammlung Holland
Eine Präparatesammlung zur Vogelwelt, die als eine der bedeutensten Privatsammlung dieser Art im Rheinland gilt
Bernard Holland sen. (14.06.1879-17.02.1954) war Landwirt und Jäger. Daneben galt sein Interesse der Vogelwelt. Ab 1903 betrieb er das Sammeln von Vögeln als Hobby und baute so in den Jahren 1920-1935 den Grundstock für die Sammlung Holland auf. Sein Sohn Bernard Holland jun. (04.07.1918-03.02.1982) war ebenfalls Landwirt und führte den Schmied- Hollandshof weiter. Die Jagdleidenschaft und die Begeisterung für die Ornithologie teilte er mit seinem Vater. Um 1955 begann er, dessen Vogelsammlung zu vervollständigen. Er nahm sich vor, von allen zwischen Rhein und Deich lebenden Vogelarten ein Exemplar in die Sammlung aufzunehmen und erhielt große Unterstützung aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Der alte Hof und später das neue Haus am Rheindamm entwickelten sich zu einem viel besuchten Treffpunkt für Vogelfreunde und Schulklassen. Seit 1991 befindet sich die Sammlung im Deichdorfmuseum Bislich und ist dort einer breiten Öffentlichkeit zugänglich, ganz im Sinne von Bernard Holland jun.

Dr. Wilhelm Holland
(16.04.1884-05.02.1968)
Er war der Lokalforscher des Dorfes und der Region. In zahlreichen Beiträgen stellte er seine Ergebnisse der Öffentlichkeit vor. Sein Nachlass befindet sich heute im Stadtarchiv Wesel.

Pfarrer Rupprecht Haertel
Er war der Begründer des Museums in Bislich und neben seiner Tätigkeit als Pfarrer ein begeisterter Sammler von Kunst- und Kulturgeschichtsobjekten aus der Region.
Rupprecht Haertl wurde am 23.09.1924 in Bocholt geboren. Er studierte Theologie in Münster und Tübingen und empfing 1951 in Münster die Priesterweihe.
Seine feierliche Einführung als Pfarrer in Bislich fand am 24.08.1980 mit einem Empfang auf dem Marktplatz und anschließender Prozession zur Pfarrkirche St. Johannes Bislich statt. Neben den Aufgaben als Seelsorger in seiner neuen Pfarrgemeinde musste Rupprecht Haertl sich auch um notwendig gewordene größere und kleinere Instandhaltungsarbeiten an den kirchlichen Gebäuden kümmern.
Im September 1991 feierte Rupprecht Haertl sein 40-jähriges Priesterjubiläum mit seiner Pfarrgemeinde in Bislich.
Pfarrer Rupprecht Haertl zeigte während seiner Zeit als Priester in Bislich auch immer großes Interesse am öffentlichen Leben, insbesondere am örtlichen Vereinsleben und war ein maßgeblicher Mitbegründer des Bislicher Museums, dem er auch viele seiner kostbaren privaten Sammlungen vermacht hat.
Von seinen hervorragenden fotografischen Fähigkeiten zeugen die beschrifteten Bildbände über 11 Jahre Kirchen- und Vereinsleben in Bislich, die sich im Archiv des Bislicher Museums befinden.
Aus gesundheitlichen Gründen verzichtete Pfarrer Rupprecht Haertl im Oktober 1991 nach 11-jähriger Tätigkeit in Bislich auf seine Pfarrstelle, leitete die Pfarre noch kurze Zeit als Pfarrverwalter, bis er als Emeritus Ende 1991 in sein e Heimatstadt Bocholt in sein Elternhaus zurückkehrte. Am 25. Juli 2007 verstarb Pfarrer Rupprecht Haertl im Alter von 82 Jahren in Bocholt und fand seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof in Bislich.

Kreuzgeschichte
Am authentischen Ort vor der alten ehemals katholischen Volkschule Schule Bislichs gedenkt der Heimat- und Bürgerverein Bislich einer besonderen Begebenheit. Im Januar 1937 fand ein beachtlicher Anteil der Dorfgemeinschaft den Mut, gegen den Austausch des Schulkruzifix gegen ein Bildnis Adolf Hitlers zu protestieren. Unterstützt wurden sie vom lokalen Pfarrer Heinrich Kühnen und auch die damalige Lehrerin Elisabeth Zöllner deckte die Oppositionellen. Mutige Bislicher aus diesen Reihen fuhren mit einer entsprechenden Petition zu den übergeordneten Stellen des nationalsozialistischen Verwaltungsapparates. Trotz Schutzhaft und Gestapoverhören gelang es nicht, die Gemeinschaft zu brechen. Und auch wenn später der Austausch des Kreuzes gegen das Bildnis dennoch stattfand, gedenkt die Dorfgemeinschaft zu Recht diesem in der damaligen Zeit mutigen Schritt.

Das Kriegerdenkmal am Deich wurde am 23.11.1958 errichtet. Der aus dem Düsseldorfer Raum kommende Künstler Wilhelm Hanebal schuf die Gestaltung mit einer großen Engelsfigur ein Mahnmal für die im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallenen und vermissten Soldaten aus den Reihen der Dorfgemeinschaft. Es ersetze ein im Zweiten Weltkrieg zerstörtes Kriegerdenkmal welches 1929 auf dem ehemaligen Marktplatz am Steinberg entstanden war.

Der Kirchgarten in Bislich ist ein ganz besonderer Ort: Wilde Natur verbindet sich hier mit angelegten Beeten. Liebevoll gepflegt von einer Gruppe aus der Dorfgemeinschaft liegt er – fast versteckt – hinter der katholischen St. Johanniskirche am Deich. Von hier hat man einen schönen Blick auf das Storchennest im Kirchenwoy. Die ebenfalls ehrenamtlich tätige Kirchgartengruppe freut sich über jede Form der Unterstützung. Ein Ort, geschaffen zum Verweilen und Innehalten!

Zu weiteren Historischen Orten in Bislich siehe auch:


Die Liste der Baudenkmäler Bislichs ist über die Stadt Wesel verfügbar.