Christliche Zeichen
Station 5.
Selig die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erfahren
Matthäus 5,7
Barmherzigkeit gehört zu den großen Leitmotiven der Bibel. Sie beschreibt die Bereitschaft, die Not eines anderen wahrzunehmen und sich davon zum Handeln bewegen zu lassen.
Besonders anschaulich wird dieser Gedanke im Gleichnis vom barmherzigen Samariter im Lukasevangelium. Ein verletzter Mann liegt am Weg. Mehrere Menschen gehen an ihm vorbei. Ausgerechnet ein Samariter – für die damaligen Zuhörer keineswegs der erwartete Held der Geschichte – bleibt stehen, versorgt den Verletzten und sorgt für seine weitere Pflege.
Barmherzigkeit besteht also nicht allein darin, Mitleid zu empfinden. Sie wird dort sichtbar, wo aus Mitgefühl konkrete Hilfe entsteht.
Dazu gehört auch Vergebung. Ein barmherziger Mensch reduziert einen anderen nicht dauerhaft auf dessen Fehler. Er kann Nachsicht zeigen und eine neue Chance ermöglichen.
Auffällig ist die Gegenseitigkeit dieser Seligpreisung: Wer Barmherzigkeit übt, wird selbst Barmherzigkeit erfahren. Damit erinnert sie daran, dass niemand ausschließlich der Helfende ist. Jeder Mensch kann in eine Situation geraten, in der er auf Verständnis, Vergebung und Unterstützung angewiesen ist.
Die fünfte Station stellt deshalb eine sehr praktische Frage: Sehe ich den Menschen, der meine Hilfe braucht – und was tue ich, wenn ich ihn sehe?

