Bislicher Proben nicht belastet

Der Kreis Wesel sieht nach Wasseranalyse keine Gefahr an der Ex-Kippe am Feldwicker Weg. Anwohner Brüggert sagt, Problemmüll liegt tiefer.

RP-Bericht vom 14.03.2013 von Fritz Schubert

Alles unter den Grenzwerten der Trinkwasserverordnung: Das ist das Ergebnis der Wasseranalysen, die der Kreis wegen des Verdachts auf Giftmüll an der ehemaligen Bislicher Kippe hatte durchführen lassen (RP berichtete mehrfach). "Wir haben genau die Stoffe gefunden, die eben auf ehemaligen Hausmüllkippen zu finden sind", sagte Michael Fastring vom Kreis. Er wird mit seinem für Altlasten zuständigen Kollegen Markus Fischer über die Auswertung heute im Schul-und Sportausschuss berichten.

Bekanntlich steht der von Nachbar Detlef Brüggert ins Rollen gebrachte Fall in einem unmittelbaren Zusammenhang mit dem Bau des neuen Sportplatzes am Feldwicker Weg. Der (Noch-)Aschenplatz bedeckt den größten Teil der Ex-Deponie. Wann der neue Platz gebaut werden kann, ist unklar. "Ich bin ja beruhigt, wenn die von uns ernst genommenen Bedenken sich auflösen", sagte der städtische Planer Gottfried Brandenburg. "Aber es sind noch andere Fragen zu klären, etwa die nach eventueller Krebshäufigkeit in dem Gebiet." Immerhin, so Brandenburg, hätten die Untersuchungen zu den von den Behörden erwarteten Ergebnissen geführt. "Wir haben vorher schon zigmal da gebohrt", sagte Fastring und nannte aktuelle Daten: Bor, Trinkwasser-Grenzwert ein Milligramm pro Liter / gemessen 0,11; Blei 0,01 /0,003; Cadmium 0,03 /0,0005; Eisen 0,2 / 0,03. Im Vergleich zu früheren Untersuchungen hätten sich die Werte verbessert, was für die Selbstreinigung des Bodens spreche.

Apropos Boden: Proben vom Erdreich wurden (noch) nicht untersucht, weil die laut Fastring viel wichtigeren Analysen der Brunnenwasserproben so gut ausgefallen waren. Das sei übrigens so üblich, gleichwohl blieben die Bodenproben erhalten.

Wenig überrascht war am Mittwoch auch Nachbar Detlef Brüggert. Die Brunnen hätten gar keine anderen Ergebnisse liefern können, weil sich die Grundwasser-Fließrichtung geändert habe. "Das Wasser kommt heute vom Dorf und nicht mehr aus der Richtung der Kippe", sagte er. Ebenso hält Brüggert daran fest, dass der wahre Problemmüll viel tiefer in der Erde stecken müsse, als jetzt für die Probenentnahme gegraben worden war. Der von ihm parallel eingeschaltete Experte Dr. Walther Enßlin (Hilden) werde sich zudem nun mit der Asche des Sportplatzes befassen. Enßlins Ergebnisse gibt es erst in einigen Wochen.

Alte Deponie in Bislich: Proben ohne Befund

NRZ-Bericht vom 14.03.2013

Die in der vergangenen Woche am früheren Deponie-Gelände in Bislich genommenen Grundwasser-Proben sind großenteils ausgewertet und ohne Befund. Dies teilte der Kreis Wesel auf Anfrage mit.

„Die Leute könnten ihr Wasser trinken“, sagte Markus Fischer von der Kreisverwaltung. Rund 30 Parameter seien untersucht worden, darunter Schwermetalle. Die zulässigen Werte nach der Trinkwasserverordnung würden eingehalten. Allein die Nitratwerte seien auffällig. Am Donnerstag um 16.30 Uhr beraten die Politiker des Sportausschusses im Rathaus die Thematik gleich zu Beginn.

Ex-Müllkippe: Für Kreis ist "Fall erledigt"

RP-Bericht vom 15.03.2013 von Klaus Nikolai und Fritz Schubert

Im Ausschuss bestätigte der Kreis, dass Trinkwasserproben am Feldwicker Weg "einwandfrei sind". Anwohner Brüggert will Anzeige gegen Auftraggeber der Probegrabung erstatten. Mögliche Krebshäufigkeit: Statistik gibt's beim Kreis nicht.

Die wohl wichtigste Aussage gestern Nachmittag in der Sitzung des Schul- und Sportausschusses zum Thema Ex-Müllkippe am Feldwicker Weg in Bislich kam von Markus Fischer. Der Mitarbeiter des Kreises erklärte, dass in den Wasserproben, die die Verwaltung wegen des Verdachts auf Giftmüll im Bereich des jetzigen Ascheplatzes genommen hatte, "nichts gefunden wurde". Fischer: "Die Trinkwasserqualität ist einwandfrei. Damit ist der Fall für mich erledigt."

Aber ganz sicher nicht für Anwohner Detlef Brüggert. Der hatte den Stein ins Rollen gebracht und war gestern auch aufmerksamer Gast der Sitzung. Wie er der RP erklärte, erwägt er ernsthaft, eine Anzeige gegen den Auftraggeber der Probegrabung zu erstatten. Bei dieser Aktion in der vergangenen Woche (RP berichtete) sei mehrfach gegen Gesetze beziehungsweise Regeln verstoßen worden. Die Vorwürfe Brüggerts reichen von fehlender Einweisung des Baggerfahrers bis hin zur Wiederverfüllung der Löcher mit dem zuvor entnommenen Abfall. Dabei hätte dieser zunächst auf Schadstoffe untersucht werden müssen. Dies alles, so Brüggert weiter, wolle er in einer umfangreichen Klageschrift einreichen, wenn sämtliche Ergebnisse vorliegen.

Auftraggeber der Grabung war die Stadt. Dennoch stellte Detlef Brüggert leichten Sinneswandel bei der Stadtverwaltung fest, die unter anderem dem Verdacht auf Krebshäufigkeit in dem Gebiet nachgehen wolle. Nicht gut zu sprechen bleibt der Nachbar des Sportplatzes auf den Kreis Wesel, der in Sachen Müllkippe wohl was vertuschen wolle.

Gestern im Ausschuss aber zeigten sich Fischer und dessen Kollege Michael Fastring auskunftsfreudig. Im Detail erklärte die beiden den Politikern, wann und wie in den vergangenen Jahren Proben auf dem gut 20 000 Quadratmeter großen Areal genommen wurden. Nie sei in den ganzen Jahren eine akute Gefährdung erkennbar gewesen, so Fischer.

Bis auf den Ausschuss-Vorsitzenden Ulrich Richartz (CDU, Bislich) und Marlies Hillefeld (Grüne) hatte niemand weiteren Infobedarf. Auf Richartz Frage, ob die erhöhte Krebsrate im Bereich der Ex-Kippe untersucht werde, erklärte Dezernent Dirk Haarmann, dass dies Sache des Kreis-Gesundheitsamtes sei. Man warte auf Antwort. "Ich habe vorhin nachgefragt", ließ Michael Fasting den Ausschuss wissen. Dabei habe er erfahren, "dass der Kreis noch nie eine Krebserkrankungsstatistik geführt hat".

 

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