Die Weißstörche landen wieder bei uns

Viele der langbeinigen Tiere haben allerdings auch am Niederrhein überwintert und sich gar nicht erst auf den beschwerlichen Weg nach Spanien, Südfrankreich oder Afrika gemacht, weiß Storchenexperte Hans Glader.

Streit ums gemachte Nest: Dieses Motiv entdeckte Hans Glader vor wenigen Tagen auf der Bislicher Insel bei Xanten. Ein Storch verjagt ein Pärchen, das es sich schon gemütlich gemacht hatte.  

Von Petra Herzog Foto H. Glader

Kreis Wesel Es sind diese Tage, an denen der Frühling bereits im Winter anklopft. Die Menschen zieht es raus in die Natur - während der Corona-Pandemie noch häufiger als sonst. Da sieht man sie dann, die Störche, die im Rheinvorland Nahrung suchen, und auch die Kraniche, deren Rufe „krru“ und „krarr“ weithin hörbar sind.

Dann klingelt auch bei Hans Glader von der Stiftung Störche NRW das Telefon öfter als gewohnt. „Herr Glader, der erste Storch ist da“, freute sich erst vor wenigen Tagen ein Mann am anderen Ende der Leitung. Dabei ist sich Glader selbst gar nicht so sicher, dass es sich um einen Storch handelt, der aus Spanien, Südfrankreich oder gar aus Afrika an den Niederrhein zurückgekehrt ist.

Denn es könnte ja auch sein, dass es sich um ein Tier handelt, das die in der Regel milden niederrheinischen Winter zu schätzen weiß und deshalb gar nicht erst in wärmere Regionen flog.

Storchendorf Bislich

Das gilt etwa seit vielen Jahren für das Pärchen an der Kirchenwoy im Storchendorf Bislich, das sich auch durch auf dem Deich rodelnde Kinder während der Schneetage nicht verunsichern ließ. Im westfälischen Vehlingen bleibt das Paar ebenfalls vor Ort, weiß Glader, den es allerdings gar nicht so sehr interessiert, ob die Störche fortfliegen oder nicht. „Mir ist es wichtig, dass die Lebensräume stimmen“, sagt er und hat mit seiner Storchenstiftung schon dafür gesorgt, dass dies so ist, etwa in Hamminkeln-Wertherbruch durch den Ankauf von Flächen, die entsprechend gestaltet werden.

Meistens kehren fortgeflogene Störche ab der zweiten Februarhälfte zurück, wobei sie nicht mehr unbedingt ihr altes Nest ansteuern. So weilte einst in der Dingdener Heide ein Storchenmann aus Baden-Württemberg und eine Storchenfrau aus Hessen. Und auch eine Niederländerin hatte sich dort schon einmal niedergelassen. Ein Männchen sei bereits seit 2010 in dem Naturschutzgebiet, wobei er es mit wechselnden Partnerinnen zu tun habe. Eines der Paare aus der Dingdener Heide sei bereits wieder da, sagt Glader. Dabei ist es in der Regel so, dass der Storch zuerst kommt und das Zuhause bereitet. Das Weibchen geselle sich dann zehn bis 14 Tage später dazu.

Um die Wege der Störche irgendwann besser nachvollziehen zu können, werden immer wieder auch im Kreis Wesel Jungstörche beringt. Michael Jöbges hat die Lizenz dafür und war beispielsweise schon oft in Bislich - auch im vergangenen Jahr. 150 Jungstörche aus Nordrhein-Westfalen tragen nun solch einen Ring der Vogelwarte Helgoland.

Live beobachtet werden können die Störche an der Bislicher Kirchenwoy nach wie vor, wenn sie im Nest hocken. Dafür sorgt eine Webcam (https://storchencam-bislich.click2stream.com/) , durch die die langbeinigen Vögel sich genauso wenig stören lassen wie durch die rodelnden Kinder vor ein paar Tagen, als die Landschaft noch deutlich anders aussah als jetzt, wo das blütenreine Weiß einem satten Grün gewichen ist. Denn eins ist sicher: Der Frühling ist nah, egal ob mit oder ohne zurückgekehrte Störche.

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