Geflügelpest, Kunstrasen, Trump & Co

Fünf Festwagen und viele phantasievolle Fußgruppen zogen am Rosenmontag durch Bislich. Der kleine, feine Familienkarneval bringt das Dorf auf die Beine und lockt zahlreiche Gäste an 

Wesel. „Wir pfeifen auf Geflügelpest und feiern im Stall unser Fest“ – die Edelknaben haben sich als puschelige Hühner und Hähne auf ihrem Festwagen selbst aufgestallt. Phantasie, lokale Themen und beste Laune stehen beim familiären Bislicher Rosenmontagszug im Mittelpunkt: „Wir feiern Karneval vom Dorf für das Dorf“, beschreibt Zugführer Tobias Engels das Prinzip. „Die vielen Gäste zeigen uns, dass wir damit richtig liegen.“ Zahlreiche Kinder säumen den Zug, Bärchen, Drachen, Katzen. Rosenmontag in Bislich ist ein Familienfest, bei dem es einiges zu Gucken gibt.

Muskelprotzen ist bei den „Klotzköppen“ angesagt, Bat- und Supermänner, Hulks und andere Macho-Helden bevölkern den Wagen. Warum? „Der Kunstrasen lässt auf sich warten, niemand steht dort mit ‘nem Spaten, darum schlagen wir Euch heute vor: Der SV Bislich braucht ‘nen Thor.“ Der Donnergott soll’s richten. 

Auch die „Wilde 13“ hat das Dorf im Fokus: „Der Roland ist clever, denn er ist nicht doof, er betreut uns demnächst im Bislicher Hof“, heißt es da, die Aktiven laufen in Zipfelmütze und Nachthemd mit. Sie holen später Platz eins bei der Wagenkürung. Hintergrund: Roland Lenneps betreibt im Dorf einen mobilen Pflegedienst und eine Tagespflege. Er hat den Bislicher Hof gekauft.

Bei den Jungschützen ist Chilli-Party auf dem Wagen angesagt. Warum, das weiß Jungschützenführer Lukas Giesen auch nicht so genau zu sagen. Weil’s Spaß macht, halt. Derweil tönt die interne Konkurrenz, die Knallköppe, die im wirklichen Leben auch Jungschützen sind, wieder „Make Bislich great again“. Die Jungs haben sich Trumps Visage als Pappbild an den Hinterkopf geklemmt, ihr Wagen: Das Weiße Haus samt Mexiko-Mauer und Stacheldraht. „Wir haben ihn in diesem Jahr neu aufgebaut, er ist größer geworden“, erläutert Marc Arden. 

Kleine und große Zuschauer am Weg können phantastische Wesen bestaunen: märchenhafte Quallinnen und Quallen schweben vorüber, schillernde Pfauenfrauen – „Die Deichperlen“. Nur ein Hahn ist ihnen geblieben, Robert Meyboom. „Früher waren mehr Männer dabei“, meint er schmunzelnd. 

Viertklässler kommen als Pandabärchen des Weges, eine Fußgruppe bringt temperamentvoll Brasilien nach Bislich. Runde Augen machen die kleinen Zuschauer, als die prallen Weintrauben des Kegelklubs „Zum Maulwurfn“ in Rot und Grün vorüberziehen. Eigenartig, die trinken Bier! „Der Wein ist noch nicht reif“, erklärt Traube Pascal van de Velden entschuldigend. Luftballons, Müllsäcke und Schminke: Wer Phantasie hat, benötigt nicht mehr, beweist die Gruppe. Andere haben einen Kicker mit in den Zug gebracht. „Wir guckten früher immer die „Kickers“, bevor es zum Bolzen auf den Platz ging“, erklärt Pascal Pooth den Aufzug der Freunde. 

So tanzen, schunkeln und feiern die Bislicher, jede Menge Kamelle für die Kleinen am Wegesrand im Gepäck. Stunden später klingt der Rosenmontag bei Cramers aus.

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