Mit ganz viel Gefühl

Das Duo Nina Karmon und Oliver Triendl überzeugte in der Bislicher St.-Johannes Kirche mit Werken von Franz Schubert, Johannes Brahms und Richard Strauss

Alexander Florié-Albrecht Wesel.

Für die rund 100 Besucher in der gut besuchten Bislicher St.-Johannes- Kirche begann der Konzertnachmittag mit einer Überraschung. Denn die ursprüngliche angekündigte Konstellation mit Terhi Dostal am Klavier und Nina Karmon an der Violine konnte so nicht auftreten. Der Grund dafür war, dass sich Dostal zweieinhalb Wochen vor dem Konzert das Bein gebrochen hatte. „Wir haben das Programm von heute dann gemeinsam einstudiert und sind mit dem Auto angereist“, erläuterte Oliver Triendl, der als Gegenstück am Klavier mit Nina Karmon für ein besonderes Klangerlebnis sorgen sollte – und die Organisatoren von Pro Musica Bislich dahingehend erleichterte, dass das Konzert unter diesen Umständen nicht ausfallen musste.

Den Block mit Franz Schuberts „Sonantine für Violine und Klavier a-Moll D 385 „und Johannes Brahms’ „Sonate für Klavier und Violine a-Dur op. 100“ hatte das Duo beibehalten.

Dazu kam nach einer zehnminütigen Pause, in der die international renommierte Violinistin sich ein wenig ausruhen konnte, Richard Strauss’ „Sonate für Violine und Klavier Es-Dur op 18.“

Melancholie und Liebe
Schon bei dem Einstieg mit dem „Allegro moderato“ wurde der besondere Ton der Melancholie erkennbar, den Schubert der Komposition verliehen hatte – erfahrbar gemacht durch das harmonisch aufeinander abgestimmte Zusammenspiel beider Künstler. Brillant wirkte Karmons zart-sehnsuchtsvolles Saitenspiel besonders im „Andante“ — korrespondierend mit Triendls wellenförmigen, bewussten Stimmungsbrüchen und den dynamischen Gegenläufen. Das bewegt-kurze „Menuett“ und das dynamisch-temperamentvolle „Allegro“ rundeten den Vortrag ab.

Ein lyrisches Finale
Noch dichter, fast ein wenig kantig-versponnen und im Klang der Leidenschaft hörbar wurde die als „Liebes- und Liedersonate“ klassifizierte Brahms-Sonate – mit liedhaft-ausschwingenden Violinmelodien, kraftvollen, energetischen Klavier-Mollteilen und dem „Allegretto quasi Andante“ als ausformuliert-lyrisches Finale mit einem hochgefühlvollen Violine und furiosem Klavier.
Danach führten die Tochter einer finnischen Cellistin und eines deutschen Geigers und der mehrfach preisgekrönte Pianist die Strauss-Sonate auf. Ihnen gelang es dabei , im „Allegro ma non troppo“ mit Triolen-Arabesken, drängender Steigerung im Klavier, dem lyrischen Motiv, dem c-Moll-Gesang der Violine im Dreiertakt und dem Dur-Dreiklangsthema in hoher Violinlage ein hohes Maß an Virtuosität zu zeigen.
Auch mit dem „Andante cantabile“ und den Klangfarben verzauberten sie die Zuhörer in der Kirche – abgelöst von einem fast „wüst“ wirkenden Improvisations-Klavierteil und gedämpft-sinnlicher Violinbegleitung.
Das Finale geriet zum Parforceritt mit Klavier-Fanfare und rauschenden Akkorden, spannenden Terzen und temporeichem Abschluss, dass das Publikum zu langanhaltendem und frenetischem Beifall veranlasste.
Als Dank für soviel Zuneigung gab es als Zugabe von den beiden die Lieder „In die Welt geht mein Weg“ und „Lieve, weine, junge Magd“ des finnischen Spätromantikers Toivo Kuula.

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