Stadt Wesel nimmt Stellung zu Kiesabgrabungen

Die Stadt Wesel hat in einer Stellungnahme zur geplanten Kiesabgrabung Histenbruch bei Bislich keine Bedenken bezüglich möglicher überfluteter Keller in den umliegenden Häusern geäußert. Das geht aus einem Schreiben an den Kreis Wesel hervor, das dem morgen tagenden Planungsausschuss vorgelegt wird. Wichtig war der Stadt demnach vielmehr, dass die Interessen zur Erlebbarkeit des Landschaftsraumes und zur Freizeitnutzung auf dem Gewässer im Besonderen in der Rekultivierungsplanung Berücksichtigung finden konnten. Dass der See nachher touristisch nutzbar gemacht werden kann, spricht aus Sicht der Verwaltung dafür, das Abgrabungskonzept zu genehmigen. Zwingend anzulegen seien aber Rastplätze, Beobachtungskanzel, Fährverbindung sowie die Option des Befahren mit Segelbooten und Kanus/Kajaks. Die Bürgerinitiative Eden aus Rees hat die Befürchtung geäußert, dass das Risiko von überfluteten Kellern steigt.

Vier neue Sackgassen sollen durch den See entstehen - teilweise muss deshalb die Straße verbreitert werden. "Auch wenn durch eine Abbindung der Nord-Süd-Verbindung des Wirtschaftsweges Schüttwich die Erschließung des Bereichs eingeschränkt wird, ist sie weiterhin in ausreichendem Maße sichergestellt", teilt die Verwaltung mit. Der Stadtentwicklungsausschuss befasst sich in seiner morgigen Sitzung (16.30 Uhr, Sitzungssaal im Rathaus) mit dem Thema Kiesabgrabungen.

SPD bekennt sich zu Kiesindustrie

Die Unternehmen Holemans und Hülskens stellen bei der SPD eine Forsa-Studie vor.

Es gibt Kritik, aber die positiven Auswirkungen des Kiesabbaus für Mensch und Natur überwiegen: So fasste Vorsitzender Ludger Hovest die Erkenntnisse am Ende der öffentlichen Fraktionssitzung der SPD am Montagabend zusammen. In der hatten Beate Böckels (Holemans GmbH) und Jörg Hüting (Hülskens GmbH & Co. KG) die Ergebnisse der Forsa-Studie von 2016 vorgestellt (RP berichtete). Die 14 Unternehmen der Zukunfts-Initiative Niederrhein hatten sie in Auftrag gegeben. Gefragt wurde nach Zufriedenheit in der Region, dem Lebensgefühl, wirtschaftlichen Verhältnissen und Aussichten. In Sachen Kies hielten 66 Prozent der Menschen in den Kreisen Wesel und Kleve laut der Umfrage die Roh- und Baustoffindustrie in der Region für sehr wichtig oder wichtig. Und 74 Prozent hoben den (Freizeit-)Mehrwert der Baggerseen hervor. Die Unternehmen nehmen dies als Beweis dafür, dass die oft gehörte Aussage von Gegnern, "Die Leute wollen das nicht", so nicht haltbar sein könne. Als schönste Seen wurden im Kreis Wesel die Xantener Nord- und Südsee, der Weseler Auesee und der Tenderingssee in Voerde bewertet. Alle sind durch Auskiesung entstanden und somit künstlich. Das wird beispielsweise beim Auesee oft verkannt. Viele glauben heute, er sei immer schon da gewesen und deshalb für Nutzungen tabu.

Hovest stellte für die "Paradiese aus zweiter Hand" fest, dass mit den Baggerseen "ein Mehrwert geschaffen wurde, den es so nicht gab". Er verwies auf ökologisch herausragende Projekte im Raum Bislich sowie den Lippe-Mündungsraum und den werdenden Lipperandsee. Zudem untermauerte er die Forderung Wesels gegenüber Oberbehörden, die Genehmigung zur Abgrabung Pettenkaul bei Ginderich zu erweitern. Bevor man ein neues Loch aufmache, könne besser dort weitergearbeitet werden.

In der anschließenden Diskussion schilderten Gäste, dass am Diersfordter Waldsee wieder das dort verbotene Baden und Campen um sich greife. Hovest griff die Hinweise unmittelbar auf und wandte sich gestern an Ordnungsdezernent Klaus Schütz. Er soll mit Macht eingreifen und die Stadtwacht dort verstärkt kontrollieren lassen. Für den Auesee wurden Stimmen laut, Frevel zwar zu unterbinden, aber doch mehr aus der Lage zu machen und mehr zuzulassen. Zum Beispiel in Richtung Gastronomie und Sport. Bürgermeisterin Ulrike Westkamp sprach sich für die weitere Nutzbarkeit des Sees aus und verteidigte auch das Freischneiden von Schneisen für Sicht aufs Gewässer.

RP-Bericht von Fritz Schubert

 

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