Bislich feiert stürmisch

Mit zwei Stunden Verspätung startet der Rosenmontagszug durchs Dorf – der Böen wegen. Tolle Fußgruppen, fantasievolle Wagen – aber leider wenig Publikum

Von Susanne Zimmermann, Foto Gerd Hermann

Eiskristalle, bestens gelaunt mit gut fixiertem Kopfschmuck – der Bislicher Zug lebt von seinen Fußgruppen. Weitere Fotos auf www.nrz.de/wesel.

Wesel. Lange Gesichter in Bislich, aber Tobias Engels hat es sich nicht leicht gemacht: Um 10.42 Uhr steht fest, dass der Zug erst um 13 Uhr zieht. „Heute bin ich nicht der Beliebteste im Dorf“, sagt der Zugführer. Aber Sicherheit geht vor, weitere Sturmböen und Regen sind angesagt. Bürgermeisterin Ulrike Westkamp gibt ihm Rückendeckung. Schließlich öffnen die Gaststätten Pooth und Cramer außer der Reihe. Leider ist das Publikum dem verspäteten Zug abhanden gekommen, schade.

Übrigens irrt das Lanuv gewaltig, wenn es von nur einem Wolf in der Region ausgeht. Allein in Bislich gab es Dutzende: Die „Deichperlen“ ziehen als Rotkäppchen mit ihren bösen Wölfen durchs Dorf, die Edelknaben haben ihren Festwagen dem Biest gewidmet und kommen als Jäger daher, auch die ein oder andere Fußgruppe zeigt raubtierhafte Züge. „Achtung Wolfsgebiet“ war an einem Karren zu lesen, und: „Ich hab Angst um Oma.“

Fünf Wagen hat der Bislicher Karnevalszug – das ist ordentlich für ein Dorf. Für jede Menge Wumms sorgen die Jungs der Knallköppe, die auf ihrem Rapunzelturm darauf achten, dass die Musik auch bis Xanten zu hören ist. Dem Narrenvolk gefällt’s, obwohl ... Jungs? Lange blonde Zöpfe, Make up, ordentlich Oberweite und viel Bein. „Wir sind Rapunzel“, erläutert Marc Arden, das lila Kleid steht ihm. Die „böse Hexe“ Malte Schwerin sieht so finster gar nicht aus, hat aber den Hut schon im Karneval eingebüßt.

Eine Hommage an Theo Cramer, ihren Lieblingswirt, schicken die Klotzköppe auf den Weg. „Theos Kneipe ist für Jung und Alt, ein jeder hat sich dort schon weggeknallt...“ steht dort zu lesen – die Klotzköppe tragen Glatzen, Theos Frisur. „Theo Cramer ist 73 und macht das mit Leib und Seele“, erklärt „Klotzkopp“ Tobias Engels. So ist das in Bislich: Frühstück bei Pooth und später Party bei Cramer.

Harry Potter stand bei den Jungschützen Pate für den zauberhaften Festwagen, der auf Plattform 9 ¾ fährt. „Dancing Fleischwurst hat letztes Jahr Vielsafttrank gesoffen, doch uns das Original nicht ganz getroffen“ – „Potter“ Lukas Giesen mag nicht sagen, wer das ist.

„Wesel pass gut auf, sonst sind wir wie die Briten drauf. Bisnix heißt es, dann wären wir soviel besser dran...“ Ein Zollhäuschen samt Schranke hatte die Wilde 13 auf ihrem Wagen, Grenadiergardisten wie vor dem Buckingham Palace lassen sich den Wind um die Mützen pfeifen. Und da ist ja noch ein Wagen, die „Wilden Knaben“ – bestens gelaunte Knirpse im Alter von neun bis 13 Jahren, die den Großen den Kampf ansagen, „Die Wilde 13 und die Ekelknaben werden begraben. Jetzt kommen wir, die Wilden Knaben.“ Der Nachwuchs grüßt.

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