Bislich und Flüren zu Zeiten der Römer

Neue Ausstellung im Deichdorfmuseum erinnert an die rechtsrheinische Transitzone und die Manöverfelder

Museumschefin Barbara Rinn-Kupka mit einem Römerhelm. 

Von Petra Herzog     FotoThorsten Lindekamp FFS

Wesel Die hölzernen Schanzpfähle zeigen, wie sie einmal ausgesehen haben könnten, die Manöverfelder der Römer. Hinten links in der Ecke sind sie zu sehen, mit Grassoden befestigt, als Leihgabe der Römercohorte Opladen. 17 solcher Manöverfelder gab es einst in Bislich und Flüren, verrät ein Blick auf eine Karte in der neuesten Ausstellung des Deichdorfmuseums Bislich. Sie trägt den Titel „Vom Gegenüber: Die Römer und ihr Limes“. Denn nicht nur in Xanten waren die Römer und gründeten die Colonia Ulpia Traiana, auch auf der rechten Rheinseite ließen sie sich blicken. Hier führten sie Manöver aus, in Bislich hatten sie Spähposten.

Das Manöverfeld Wesel-Flüren ist Teil des Niedergermanischen Limes, für den der Antrag auf Eintrag ins Unesco-Welterbe gestellt wurde. Hochmoderne Technik macht es möglich, die römischen Manöverfelder zu lokalisieren. Wie das geht, erfährt der Museumsbesucher hier unter anderem. Zahlreiche Münzen einer Schenkung von Peter Heckes aus Moers an das Bislicher Museum sind ausgestellt, wobei bei vielen nicht klar ist, welche Bedeutung sie hatten. Dazu gehört eine aus dem Jahr 32/31 vor Christus, dem ältesten Exemplar, das gezeigt wird. Das kleinste wiederum gibt besonders viele Rätsel auf. Wer sich die Ausstellung anschaut, wird dazu angehalten, das unter einem römischen Kaiser geprägte Exemplar zu deuten.

Römer hatten ansonsten schwer zu tragen. 26 Kilo wog die Rüstung, wie Museumschefin Barbara Rinn-Kupka vor der entsprechenden Vitrine erläutert. Helm, Lang- und Kurzschwert gehörten zum Standard.

Weinbecher aus grauer Vorzeit

Auch bei Grabungen im Jahr 1985 in Bislich gefundene Objekte sind zu sehen. Wie der Bislicher Weinbecher im Miniaturformat. Er könnte aus einem Kindergrab stammen und wurde einst massenhaft hergestellt, obwohl er zum gehobenen Trinkgeschirr der Tafel gehörte. Zumindest auf einigen Erhebungen des Dorfs gab es bereits Siedlungen, als die Römer kamen. Gräberfelder sowie Spuren von Siedlungen deuten darauf hin. Eine der Erhebungen war der Steinberg, eine weitere der Kirchberg.

Die Römer waren übrigens auch ein bisschen für die Gestaltung der niederrheinischen Landschaft verantwortlich. Künstliche Uferbefestigungen und Durchstiche sorgten dafür, dass der Rhein in seinem Bett blieb. Erst als die Römer nicht mehr vor Ort waren, begann der große Strom wieder zu mäandrieren, sprich: er wand sich in Kurven durch die Landschaft.

Der Raum Bislich wurde übrigens zur Römerzeit zur Transitzone, in der eine „bewehrte“ Siedlung von den Römern nicht gewünscht war. „Auch wenn das andere Rheinufer nicht mehr zum ,Imperium Romanum’ gehörte, mussten die römischen Truppen zweifelsfrei sicherstellen, dass ihnen vom Uferbereich der Feindesseite gegenüber ihrer Militärlager keine Gefahr drohte,“ heißt es in der Ausstellung. Die gehört zum Themenjahr „Provinz – provinciaal?“ des Museumsnetzwerks Niederrhein.

Zu sehen ist die Schau ab dem heutigen Samstag (immer samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr) bis einschließlich 10. Oktober. Es ist weder ein Corona-Test noch eine Terminbuchung nötig, herrscht aber Maskenpflicht. Eintritt wird nicht verlangt, Spenden sind aber willkommen. Interessante Führungen durch den Römerraum gibt es nach Voranmeldung. Zudem sind zwei Fuß- und zwei Radtouren zu den Manöverfeldern geplant.

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