Eine Pilgerfahrt im Mittelalter

Wesel. Seit 25 Jahren gibt es die Sonntagskonzerte von Pro Musica in Bislich. Anlass genug, um am Sonntag ein Jubiläumskonzert in der gut gefüllten St. Johannes-Kirche zu veranstalten.

VonChristianBraumann
Foto Markus Joosten

Das Ensemble Vox Werdensis singt in der St. Johannes-Kirche.

Das Motto des Abends: „Peregrinatio vitae – Gesänge des frühen und hohen Mittelalters auf dem Pilgerweg des Lebens“. Zu Gast waren die Sänger des Ensembles Vox Werdensis, die sich zu Experten im Bereich mittelalterlicher Musik entwickelt haben.

Der Titel des Konzertes geht darauf zurück, dass ein großer Teil des Programms aus der Jakobus-Liturgie des Codex Calixitinus aus dem zwölften Jahrhundert zusammengestellt war und das Ensemble die Gesänge einer Pilgerfahrt auf dem Jakobsweg nachempfinden wollte.

Die Interpretation der Melodien des Mittelalters lebt vom dynamischen Fluss. Sehr homogen gelang dies den Sängern von Vox Werdensis zum Beispiel im Gregorianischen Offertorium „In te speravi“. Aber auch die Schwierigkeiten des a cappella-Singens waren zu hören, wenn zwischen einzelnen Passagen des Gesangs die unbestechlichen Glocken, angeschlagen vom Leiter des Chores, Stefan Klöckner, kleine Intonationsschwächen offenbarten.

Mutig waren die Veranstalter also, dass sie ihr Publikum zum Jubiläum nicht mit Evergreens von Bach oder Mozart vergnügten, sondern sich für die vergleichsweise schwere Kost mittelalterlicher Musik entschieden hatten. Die Musik aus dem Mittelalter ist meist einstimmig, für harmoniebedürftige Ohren deshalb zunächst ungewohnt. Klanglich aufgelockert wurden die meist liturgischen Gesänge durch Wechsel zwischen Solo- und chorischer Besetzung sowie instrumentaler Begleitung. Diese sei aber, so der Instrumentalist Dominik Schneider, nicht aus dem Mittelalter überliefert, sondern nachempfunden.

Und genau hier entstand beim Zuhörer ein eigenartiges Gefühl: Gelegentlich meinte man, zwei Konzerte in einem zu hören: Hier die gregorianische Strenge, und gleichzeitig die mal nach Asien-Restaurant klingende, mal an irische Folk-Musik erinnernde (insbesondere bei den Vor- und Zwischenspielen auf der Quinterne, einer mittelalterlichen Laute) instrumentale Zutat. Schade, dass hier der Mut fehlte, die Musik einfach so zu machen, wie sie überliefert ist.

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