Hungriger Storchennachwuchs

Die ersten Jungen sind geschlüpft. Hans Glader von der Stiftung Störche NRW beobachtet und fotografiert die Entwicklung der schönen Vögel

Unermüdlich schaffen die Elterntiere Regenwürmer heran,damit die Kleinen groß und stark werden. FOTO:HANS.GLADER

Petra Herzog

Kreis Wesel. Das hätte vor einigen Jahren wohl kaum jemand für möglich gehalten: Der Niederrhein wird zum Storchenparadies. Erst fing es ganz langsam an, aber dann... Mittlerweile wird in vielen von Menschen gemachten Nestern gebrütet und gefüttert. So wie an der Bislicher Kirchenwoy. Storchenexperte Hans Glader, der viele Jahre bei der Biologischen Station im Kreis Wesel gearbeitet hat, entdeckte dort schon in der vergangenen Woche vier Junge, wobei ein Ei noch im Nest liegt. „Es wird wohl taub sein“, mutmaßt der Mann aus Werth, „denn es tut sich nichts mehr“.

Der erste Nachwuchs ist da

Positives gibt es aus der Dingdener Heide zu vermelden. Vor etwa einer Woche kamen dort ebenfalls vier Storchenbabys auf die Welt. Drei Junge sind es im Nest am Bislicher Forellenstübchen, viele weitere werden in Ringenberg und in Dingden, in Ginderich sowie in einem weiteren Bislicher Nest erwartet.

Das Resümee, das Glader nach seiner kleinen Storchentour zieht: „Es sieht recht gut aus.“ Dies hört sich noch ein wenig verhalten an, doch nach den Vorjahren, wo viele Jungstörche das nasskalte Wetter nicht überlebt haben, ist es zunächst einmal positiv. Glader, der für seine Tier- und Gartenfotografie bekannt ist, wird die Entwicklung auch weiterhin beobachten. Dabei ist dann stets Geduld gefragt. „Ich muss warten, bis Fütterungszeit ist“, sagt er. „Wenn man Glück hat, dauert das fünf Minuten, hat man Pech, können es auch anderthalb Stunden sein.“ Denn Glader hat keine Möglichkeit von oben ins Nest zu schauen. Das ist nur per Video an der Kirchenwoy möglich. Und so muss er sich gedulden, bis sich die kleinen hungrigen Schnäbel den fütternden Eltern entgegenstrecken, um eine verlässliche Kinderzahl nennen zu können.

Sieben Paare, das gilt als sicher, haben sich mittlerweile auf der Bislicher Insel bei Xanten niedergelassen. Das so genannte Urnest, in dem die ersten Störche brüteten, befindet sich dort mitten im Wald. Daneben stellte der Regionalverband Ruhr (RVR) noch eine Nisthilfe auf, und auf einem abgebrochenen Baum wurden die Störche alleine tätig und bauten sich ihr Nest selbst.

Regenwürmer für die Kleinen

Wie sich die große niederrheinische Storchenfamilie am Ende entwickelt, wird sich wohl erst im Juni sagen lassen. Denn momentan sind Regen und Kälte zwar kein Thema, dafür ist es die Trockenheit. Schließlich zählen Regenwürmer zum Hauptbestandteil der Babynahrung, und die benötigen nunmal Feuchtigkeit. Vorverdaut werden die glibberigen Tiere dem Nachwuchs kredenzt. Sie sind sehr proteinhaltig und sorgen dafür, dass die Jungen schnell wachsen. Doch Störche können auch sehr kreativ sein, wenn es um die Nahrungssuche geht, weiß Glader. So hat er in der Dingdener Heide einmal beobachtet, wie Meister Adebar aus den ausgetrockneten Blenken Fische stibitzte, um sie im Nest oben zu verfüttern.

Drei Wochen dauert es, bis die Jungstörche auf festere Nahrung wie Mäuse und Eidechsen umsteigen, so Glader, der darauf setzt, dass es bald auch in Wertherbruch klappert. Dort hat die Storchenstiftung bereits größere Flächen angekauft und vier Nester aufgestellt. Auf einer Wiese möchten die Aktiven noch in diesem Frühjahr seltene Pflanzenarten, die hier nicht mehr unbedingt zu finden sind, einsäen, zum Beispiel Kuckuckslichtnelke und Sumpfdotterblume.

Wer sich auf die Spuren der Störche begeben möchte, dem sei die Bislicher Storchenroute empfohlen. Dabei handelt es sich um einen 14 Kilometer langen Rundkurs, der auch mit dem Rad absolviert werden kann. Neun Storchennester können unterwegs betrachtet werden, dazu gibt es alte Bauwerke, Kolke, einen historischen Deich, die Trasse der alten Straßenbahnlinie und vieles mehr. Ein neues Faltblatt (siehe Box) leitet Interessierte einmal rund um Bislich.

Tierischer Niederrhein

Hans Glader von der Storchenstiftung NRW kennt zwar die meisten Nester im nördlichen Kreis Wesel, in denen Störche brüten oder gebrütet haben, doch er ist sich sicher, dass es noch einige im Verborgenen gibt. Wer also weiß, wo Störche für Nachwuchs sorgen oder sich darum kümmern, kann sich mit dem Fachmann per E-Mail in Verbindung setzen an: hans.glader@gmail.com.

Das Faltblatt, das „Die Storchenroute in Bislich“ unter dem Titel „Tierischer Niederrhein“ genau beschreibt, liegt an vielen Stellen gratis aus. Unter anderem ist es im Bauernhof-Café Hellenhof der Familie Heiligers, Marwick 13, in Bislich zu haben. Sie hat für die Zusammenstellung der Informationen gesorgt.

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