Ingenieurskunst in Ziegel und Stahl

Das Deichdorfmuseum Bislich befasst sich mit Allessandro Pasqualini und Sir Donald Coleman Bailey

Christian Braumann Foto Markus Joosten

Barbara Rinn-Kupka, Leiterin des Deichdorfmuseums Bislich, eröffnete die erste Sonderausstellung und deutet auf ein Exponat.

Wesel. Jede Menge Neues tut sich im Museum Bislich. Seit November steht das Museum unter neuer Leitung: Barbara Rinn-Kupka bestimmt nun die Geschicke des Museums, das nun Deichdorfmuseum heißt. Gespannt durfte man daher sein, wie sich das Museum inhaltlich ausrichtet. In relativ kurzer Zeit wurde eine Sonderausstellung mit dem Titel „Ingenieurskunst in Ziegel und Stahl – Pasqualini und die Bailey-Bridge“ installiert, die am Sonntag eröffnete.

Geniale Köpfe

Ein Renaissancebaumeister und ein Erfinder des 20. Jahrhunderts: wie passt das zusammen? Eine Gemeinsamkeit, so Bürgermeisterin Ulrike Westkamp in ihrem Grußwort, war sicherlich der Umstand, dass die Ideen der beiden aus dem Zusammenhang des Krieges kamen. Pasqualini als Festungsbaumeister des 16. Jahrhunderts in Jülich, Bailey als Brückenkonstrukteur im 2. Weltkrieg. Mindestens 443 Bailey-Brücken ermöglichten dem Militär der Alliierten Flussquerungen bei der Einnahme Deutschlands 1945. Drei davon wurden in Bislich errichtet.

Aber auch Allessandro Pasqualini hat einen – wenn auch mittelbaren Bezug zu Bislich: Durch die rege Bautätigkeit waren zur Herstellung des Baumaterials Ziegeleien erforderlich, deren Notwendigkeit Bislich einen wirtschaftlichen Aufschwung verdankte.

Dr. Rüdiger Urban, der Vorsitzende des Fördervereins Festung Zitadelle Jülich, wies in seiner Ansprache auf Verbindungen der Städte Jülich und Wesel hin. Beide Städte hatten dadurch Schwierigkeiten bei ihrer Entwicklung, dass sie durch Wälle begrenzt waren. Durch ihre strategische Lage wurden beide Städte im Zweiten Weltkrieg nahezu vollständig zerstört. Das von Pasqualini am Reißbrett entworfene Jülich wurde auf dem alten Grundriss wieder aufgebaut.

Kindgerecht aufgearbeitet

Für Barbara Rinn-Kupka war ein besonderer Aspekt der Ausstellung die Gegensätzlichkeit der Ideenfindung von Bailey und Pasqualini: Während der Renaissance-Baumeister sorgfältige, langwierige Berechnungen anstellte, um die perfekte Festungsstadt zu planen, war die Bailey-Brücke eine Augenblickseingebung. „Das Deichdorfmuseum ist wohl das Einzige, das Originalteile einer Bailey-Brücke präsentiert“, betonte die neue Museumsleiterin.

Zum Konzept der neuen Ausstellung hat man sich für kleine Gäste etwas Besonderes einfallen lassen. In Augenhöhe der Kinder im unteren Bereich der Vitrinen sind kindgerecht aufbereitet Inhalte der Ausstellung zu bewundern. Auch eine Malecke zum Thema fehlt nicht.

„Das Museum hat es verdient, nach außen stärker zu wirken“, warb Leiterin Barbara Rinn-Kupka um regen Besuch der Ausstellung, die noch bis zum 22. Juli zu sehen sein wird.

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