Einblick ins Storchenleben

Hans Glader, Vorstandsmitglied der „Stiftung Störche NRW“, nahm Naturbegeisterte mit zu einer Exkursion in die Dingdener Heide.

VON Merle Häring FOTO Arnulf Stoffel

In der Dingdener Heide fühlen sich die Störche offensichtlich wohl und haben ein ausreichendes Nahrungsangebot.

Hamminkeln. Ein Storch kommt selten allein – das hat sich nun auch wieder in der Dingdener Heide bewahrheitet. Am Freitagabend ermöglichte Hans Glader, Vorstandsmitglied der „Stiftung Störche NRW“, einer Gruppe interessierter Naturfreunde „einen exklusiven Blick ins Nest der Störche“. Während der Beobachtung der Tiere durch ein Fernglas und der kleinen Wanderung, die an Wäldern, Feldern und Bachläufen entlang führte, erzählte er außerdem Wissenswertes rund um den Storch.

Die Nisthilfen in der Dingdener Heide sind ein sehr beliebter Brutplatz. Das „Urpaar“ kommt schon seit mehreren Jahren hierher, um seine Jungen aufzuziehen. Diesmal sind es gleich vier kräftige Jungvögel, die gierig um Futter betteln. „Das ist für unsere Gegend schon sehr ungewöhnlich. In Spanien oder Frankreich, wo es mehr Feuchtgebiete gibt, sind vier Jungen die Regel, bei uns eher zwei bis drei“, berichtete Hans Glader. „Es zeigt uns aber auch, dass scheinbar genug Nahrung vorhanden ist.“ Offenbar sogar so viel, dass sich nun erstmalig auch ein zweites Storchenpaar in der Heide angesiedelt hat. Wieviele Küken dort geschlüpft sind, konnte aber noch nicht genau beobachtet werden. Sicher ist: Der Storch scheint hierzulande auf dem Vormarsch zu sein. In Bislich brüten mit vier Paaren schon eines mehr als im Vorjahr, auch in Birten und Ginderich hat sich je ein Paar niedergelassen. Spitzenreiter ist die Bislicher Insel mit ganzen neun Paaren. Während die Population in anderen Gebieten stagniert, steigt sie in Nordrhein-Westfalen stetig. Obwohl sie immer häufiger vorkommen, gibt es noch immer Mythen über den imposanten Vogel, die sich hartnäckig halten. Zum Beispiel, dass ein Storch auf Frösche als Nahrung angewiesen sei. Tatsache ist allerdings, dass sie einfach alles fressen, was sie überwältigen können. Ganz oben auf der Liste stehen Regenwürmer und Mäuse, sie schlagen aber auch Echsen, Käfer, Fische und Maulwürfe als Mahlzeit nicht aus. Die lange Reise nach Afrika treten nur noch wenige Störche an, seitdem die Winter milder werden. Mittlerweile verbringen sie die kälteren Monate entweder bei uns oder in Spanien. Rückkehrer aus Afrika haben es gleich doppelt schwer, denn viele verlieren auf der Reise ihr Leben, weil sie als Segelflieger auf Thermik angewiesen sind, die über Wüstengebieten nicht existiert. Außerdem sind die besten Brutplätze schon belegt, wenn sie ankommen. „Dann kämpfen sie auch schon mal bis aufs Blut“, erzählte Hans Glader. Mit drei Jahren sind die Vögel geschlechtsreif, die Brut dauert etwa 34 Tage. Weil die Eier in Abständen von bis zu zwei Tagen gelegt werden, schlüpfen auch die Küken zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Anfangs sind sie nur etwa so groß wie ein Hühnerküken. Wird die Nahrung zu knapp, um alle zu versorgen, werden die Kleinsten aus dem Nest geworfen – natürliche, aber dennoch etwas grausame Auslese. Ebenso tragisch verlief die Geschichte des Storchenpaars in Ginderich, bei dem plötzlich ein Altvogel nicht mehr zurückkehrte. Der andere fütterte die Küken noch zwei Tage, bevor er „wohl merkte, dass er es allein nicht schafft“ und aufgab, so Hans Glader. Und trotzdem entwickelt sich der weißschwarze Vogel mit dem großen, roten Schnabel und einer Flügelspannweite bis über zwei Meter am Niederrhein zu einer wahren Erfolgsgeschichte – zum Glück für alle Vogelfreunde.

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