Rekordjahr für die Störche

Im Kreis Wesel zogen 37 Brutpaare 61 Junge auf. Das ist das bisher beste Ergebnis, wie die Stiftung Störche NRW meldet. Die Hitze hat den Vögeln nicht geschadet

Von Rita Meesters  Foto Markus Weissenfels

Bislich ist im Kreis Wesel eine Storchenhochburg. Hier sitzt ein Paar in seinem Nest an der Kirchenwoy hinter der St. Johannes-Kirche.

Kreis Wesel. Das hat selbst den Experten Hans Glader überrascht: Trotz der großen Hitze und der Trockenheit war es für die Storcheneltern in NRW und am Niederrhein ein sehr erfolgreiches Jahr. Die Bilanz der Stiftung Störche NRW meldet Rekordzahlen bei den Brutpaaren. Allein im Kreis Wesel zählten die Vogelschützer 37 Paare, die 61 Jungtiere großzogen. „Ich hatte kein gutes Gefühl“, berichtet der Vorsitzende der Stiftung Störche. „Doch es hat sich anders entwickelt“. Glader spricht von einer tollen Entwicklung in NRW. Und noch etwas ist in diesem Jahr auffällig: Viele Jungstörche machten sich bereits ab Mitte Juli auf den Weg in Richtung Süden, rund zwei Wochen früher als üblich.

Über Gründe dafür kann Hans Glader nur spekulieren – vielleicht spielte die Trockenheit eine Rolle. Doch es hat sich in diesem Sommer gezeigt, dass die Tiere damit offenbar besser zurechtkommen als mit Nässe und Kälte. In den vergangenen Jahren sei immer die Zeit um die so genannte Schafskälte im Frühsommer problematisch gewesen. Wenn sich die Jungtiere im Übergang von Flaumkleid zum Erwachsenengefieder befinden, sind sie besonders anfällig für Kälte und Nässe. Da es in diesem Jahr durchweg warm und trocken war, überlebten mehr Jungtiere als sonst. Im vergangenen Jahr zählten die Vogelschützer im Kreis Wesel sechs Brutpaare und zwölf flügge Jungtiere weniger.

Besonders wohl fühlten sich die Tiere in diesem Sommer auf der Bislicher Insel (neun Brutpaare) und in Bislich (vier Paare). Auch in Perrich, Ginderich und Birten ist je ein neues Paar dazugekommen, so Glader. Zwar gab es wie immer einzelne Jungvögel, die von den Eltern verstoßen wurden und nicht überlebten, berichtet der Experte. Aber: „Das Wetter war offensichtlich gut für die Jungen“. Außerdem sind die Vögel bei der Wahl der Nahrung nicht wählerisch, weiß Glader. „Störche fressen eigentlich alles, was sie überwältigen können“. Wenn sie keine Regenwürmer finden, verspeisen sie Insekten, Eidechsen oder Mäuse.

Die Altvögel sind sogar in der Lage, ihrem Nachwuchs in ihrem Schnabel Wasser ins Nest zu bringen. Und wenn die Sonne auf das ungeschützte Nest scheint, postieren die Alten sich so, dass sie den Jungen Schatten spenden, hat Hans Glader beobachtet.

Wer derzeit größere Ansammlungen von Störchen beobachtet, sieht vermutlich Gruppen von Tieren, die sich sammeln, um in den Süden zu starten. Oder Tiere, die aus Norddeutschland in Richtung Süden ziehen und die niederrheinischen Wiesen als „Tankstelle“ nutzen. Nach den Jungen, die üblicherweise ab Anfang August starten, machen sich Ende August, Anfang September die Alten auf den Weg – allerdings gibt es auch einige Störche, die sich inzwischen den weiten Weg sparen und den Winter zum Beispiel in der Dingdener Heide oder in Ringenberg verbringen.

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